Von Verunsicherung zu Vertrauen: Warum ich das Stillen heute anders sehe
Vor der Geburt hatte ich eine gewisse Vorstellung davon, wie das Mamasein laufen wird. Ich habe darüber gelesen, mich umgehört und vorbereitet. Und dann kommt das echte Leben mit Baby… Ziemlich schnell wurde mir klar: Theorie ist das eine, Alltag etwas ganz anderes.
Als Erstlingsmama wirst du ganz schön ins kalte Wasser geworfen – selbst dann, wenn du einen Geburtsvorbereitungskurs gemacht hast und Familie und Freunde hinter dir stehen. Zum ersten Mal Mama zu sein, ist eben nicht wie Schwimmen lernen. Denn selbst wenn du noch im Anfängerbecken stehen kannst und nicht sofort untergehst, musst du gleichzeitig auf ein kleines Menschlein aufpassen und trägst plötzlich die volle Verantwortung. Und zwar bei einer Sache, von der du selbst vorher ehrlich gesagt null Plan hattest.
Eines dieser neuen Themen war für mich das Stillen. Ich hatte schon vor der Geburt gehört, dass Stillen mehr ist als nur Nahrungsaufnahme. Aber dass es so viel mehr ist? Das wusste ich nicht. Mir war wichtig, ungefähr ein Jahr lang zu stillen. Aber dass Stillen auch weit darüber hinaus noch so eine wichtige Rolle spielen kann, hätte ich damals nie gedacht.
So habe ich früher über Stillen gedacht
Früher habe ich Stillen vor allem als Ernährung gesehen. Natürlich wusste ich, dass Muttermilch gut fürs Baby ist. Aber in meinem Kopf ging es dabei hauptsächlich ums Sattwerden, Zunehmen und die Frage, wie lange man eigentlich stillt.
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Ich dachte, Stillen sei in erster Linie dafür da, mein Baby zu versorgen. Und irgendwann, sobald Beikost dazukommt, würde das Thema automatisch immer kleiner werden. Mein Ziel war klar: ich wollte ungefähr ein Jahr stillen. Das erschien mir sinnvoll, gesund und machbar. Mehr hatte ich dazu ehrlich gesagt gar nicht im Kopf.
Was ich damals noch nicht verstanden hatte: Zu dem Thema hat plötzlich jeder eine Meinung. Ärzte, Familie, Bekannte und manchmal sogar Menschen, die dein Kind kaum kennen. Und gerade als frische Mama ist es unglaublich schwer, sich davon nicht verunsichern zu lassen.
Wenn das Baby eher schlank ist oder nicht so zunimmt, wie andere es erwarten, entsteht schnell Druck. Dann kommen Sätze oder Empfehlungen, die einen innerlich sofort zweifeln lassen. Reicht meine Milch wirklich? Sollte ich zufüttern? Mache ich etwas falsch? Verwöhne ich mein Kind, wenn ich es zu oft anlege?
Obwohl ich eigentlich gar nicht mit dem Zufüttern beginnen wollte, habe ich es natürlich trotzdem probiert. Nicht, weil es sich für mich richtig angefühlt hat, sondern weil man als Mama schnell das Gefühl bekommt, etwas falsch zu machen, wenn von außen Zweifel gesät werden.
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Warum ich meine Meinung übers Stillen geändert habe
Meine Meinung übers Stillen hat sich nicht von heute auf morgen geändert. Es gab nicht diesen einen magischen Moment, in dem plötzlich alles klar war. Es war vielmehr der Alltag mit meinem Baby, der meine Sicht Stück für Stück verändert hat.
Ich habe gemerkt, dass viele Empfehlungen zwar gut gemeint sind, aber eben nicht automatisch zu jedem Kind passen. Gerade beim Thema Zufüttern habe ich für mich rückblickend verstanden, dass der Druck von außen vollkommen unnötig war. Ich selbst wollte ja gar nicht damit anfangen, aber wenn das eigene Kind schlank ist und Ärztinnen oder Ärzte darauf drängen, probiert man es eben trotzdem.
Hat es geklappt? Natürlich nicht.
Heute glaube ich nicht, dass das Zufüttern bei uns gescheitert ist, weil ich etwas falsch gemacht habe. Sondern, weil mein Baby schlicht noch nicht so weit war. Die Natur hat sich schon etwas dabei gedacht, dass in den ersten Monaten Muttermilch im Mittelpunkt steht. Der Zungenreflex muss sich erst zurückbilden, der Darm muss sich erst entwickeln und nicht jedes Baby ist gleich bereit für den nächsten Schritt, nur weil es auf dem Papier gerade passend erscheint.
Mit der Zeit habe ich außerdem verstanden: Beikost ist eine Ergänzung und nicht automatisch ein Ersatz. Nur weil ein Kind anfängt zu essen, heißt das noch lange nicht, dass die Brust plötzlich unwichtig wird. Essen und Stillen dürfen nebeneinander existieren. Und manchmal braucht ein Baby oder Kleinkind eben trotz Beikost noch ganz viel Milch, Nähe und Brustkontakt.
Was mir ebenfalls erst im echten Mama-Alltag klar geworden ist: Mein Gefühl für mein Kind wurde immer stärker. Diese berühmte Mama-Intuition ist nichts Esoterisches, sondern etwas, das im Alltag wächst. Mit jeder Nacht, jedem Schub, jedem Zahn und jedem aufregenden Spielplatznachmittag lernst du dein Kind besser kennen.
Ich musste erst erleben,
- dass nicht jede Empfehlung zu jedem Baby passt.
- dass nicht jede Nacht gleich ist.
- dass nicht jeder Tag gleich läuft.
- dass ich oft längst gespürt habe, was mein Kind gerade braucht, bevor ich es überhaupt in Worte fassen konnte.
Gerade an Tagen voller Eindrücke, beim Zahnen oder in Entwicklungsschüben wird mir das besonders deutlich. Da will mein Kind häufiger an die Brust. Aber nicht, weil meine Milch nicht reicht, sondern weil es einfach mehr Trost, Sicherheit und Regulation braucht an solchen Tagen.

Heute weiß ich: Stillen kann so viel mehr als nur Nahrung sein
Heute weiß ich, dass Stillen viel mehr kann, als nur satt zu machen.
- Stillen ist Trost.
- Stillen ist Nähe.
- Stillen ist Beruhigung.
- Stillen ist Verbindung.
- Und manchmal ist Stillen einfach der sicherste Ort der Welt für ein kleines Kind.
Besonders nachts ist mir das bewusst geworden. Babys können nicht einfach durchschlafen, nur weil wir Erwachsenen uns das wünschen. Sie wachen auf und brauchen Hilfe beim Wieder- oder Weiterschlafen. Meine Tochter ist inzwischen 1,5 Jahre alt und wacht nachts immer noch mehrmals auf. Und wenn sie dann nach der Brust verlangt, dann nicht nur zum Trinken.
Sie möchte an die Brust, um ein Gefühl von Sicherheit zu bekommen. Um sich beim Zahnen zu beruhigen. Um nach einem aufregenden Tag runterzukommen. Um in der Dunkelheit wieder Halt zu finden. Um sich selbst zu regulieren, wenn alles zu viel war.
Früher hätte ich wahrscheinlich gedacht: Sie hat halt Hunger.
Heute weiß ich: Das ist nur ein kleiner Teil davon.
Heute weiß ich, dass Stillen meinem Baby Halt gibt – in der Nacht, beim Zahnen, in unruhigen Phasen und auch dann, wenn sie in der Babyspielgruppe überfordert ist. Was von außen vielleicht nach „nur stillen“ aussieht, ist in Wahrheit oft Bindung, Regulation und Geborgenheit.
Heute weiß ich auch, dass Stillen niemanden etwas angeht außer mich und mein Baby. Und wenn sich andere davon gestört fühlen, dass ich mein 18 Monate altes Kind “noch” stille, dann ist das nicht mein Problem. Denn was ich heute auch anders sehe: Diese hartnäckige Vorstellung, dass man nach zwölf Monaten „eigentlich nicht mehr stillen sollte“. Als würde mit dem ersten Geburtstag plötzlich ein unsichtbarer Schalter umgelegt und Stillen von sinnvoll zu überflüssig werden. Dabei ist diese Grenze oft eher eine Meinung von außen als ein Bedürfnis von Mutter und Kind. Stillen muss nicht am Kalender enden. Im Gegenteil: Die WHO empfiehlt, nach Einführung der Beikost bis zum Alter von zwei Jahren und darüber hinaus weiterzustillen, solange es für Mutter und Kind passt.
Niemand kennt mein Kind so gut wie ich. Ich bin rund um die Uhr da. Ich merke, ob die Beikost gereicht hat oder ob doch noch Milch gebraucht wird. Ich weiß, ob sie eine gute oder schlechte Nacht hatte und warum der nächste Tag so läuft, wie er läuft. Ich weiß, ob sie gerade mehr Kuscheleinheiten braucht, weil der Spielplatz aufregend war, weil ein Zahn drückt oder weil einfach alles ein bisschen zu viel war.
Und ich weiß heute: Ich muss nicht jede Meinung von außen über mein eigenes Gefühl stellen.
Von Still-Mama zu Still-Mama, meine Worte an dich
Wenn du dich durch all die Meinungen, Regeln und gut gemeinten Ratschläge schon einmal hast verunsichern lassen, dann möchte ich dir eines sagen: Du bist nicht allein.
Du darfst deinem Gefühl vertrauen. Du darfst dein Baby beobachten. Und du darfst anerkennen, dass nicht jede Empfehlung zu jeder Mama und zu jedem Kind passt.
Denn niemand kennt dein Baby so gut wie du.
Wichtig ist dabei immer, dass dein Kind gesund ist, sich altersentsprechend entwickelt und ärztlich oder hebammenseitig gut begleitet wird. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, keine Untersuchung und keine persönliche Einschätzung durch medizinisches Fachpersonal. Er soll dir Orientierung geben, Wissen einordnen und dich darin bestärken, dein Baby aufmerksam und liebevoll im Blick zu behalten.

Studentin der Ernährungswissenschaften, stillende Mama, zertifizierte Ernährungsberaterin, begeisterte Hobbyköchin, wanderbegeisterter Outdoor-Fan.
Mein Ziel bei MamaMahlzeit ist es, (werdenden) Mamas zu zeigen, dass gesunde Ernährung nicht kompliziert sein muss. Mit einfachen Rezepten und viel Geschmack will ich mehr Leichtigkeit in den hektischen Mamaalltag bringen.
Du willst mich besser kennen lernen? Dann klick hier: Fan Facts über mich.



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